Die Schule: Bereicherung eines Ortes
Die PISA-Studie hat vieles in Bewegung gesetzt an den deutschen Schulen. Nach Meinung von Bildungsforschern, Eltern und Schülern ist das aber noch lange nicht genug. Die Integration von Schülern mit Migrantenhintergrund, der Umbau von der Halb- zur Ganztagsschule, die Übernahme von Erziehungsfunktionen, das Problem der Gewalt – Schule lässt sich an vielen Stellen bereichern. Nur: wie?
Der Raum ist der dritte Lehrer, sagt ein schwedisches Sprichwort – und zwar nach den andren Kindern und dem Lehrer. Doch in deutschen Schulen fällt dieser Lehrer häufig reichlich dröge aus. Viele Schüler werden in großen Backsteinungetümen unterrichtet, die vor über hundert Jahren gebaut wurden und auch die neuen Schulen arbeiten lediglich die Schulbaurichtlinien ab. Die Mängelliste der Architekturpsychologin Rotraut Walden von der Universität Koblenz ist lang: zu anonyme und zu große Gebäude, zu kleine Klassenzimmer, fehlende Gemeinschaftsräume, keine Schallisolierung. „Dabei hängt das Wohlbefinden der Schüler eng mit der Möglichkeit zusammen, selbst etwas zu verändern und an ausreichend Rückzugsmöglichkeiten“. Zukunftsorientierte Schulen beziehen die Schüler schon in die Planung ein und lassen sie über Fragen wie Beleuchtung, Ausblick und Gemeinschaftseinrichtungen mitentscheiden. Dass dabei die oft
geforderte Eigenverantwortlichkeit der Schüler praktiziert wird, ist dann schon die
erste Lektion des dritten Lehrers.

So wie in der Evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen Bismarck, die die Schüler zusammen mit dem Architektenbüro plus+ geplant haben. Die Fachleute waren positiv überrascht von den Vorschlägen der Kinder: „Es gab unheimlich intelligente Anregungen von Fünftklässlern“, sagt der Architekt Olaf Hübner. Herausgekommen ist eine Schule, die kein monolithischer Block ist, sondern jeder Klasse ein einzelnes Klassenhaus und einen eigenen Garten bietet. Wo Schüler an der Gestaltung beteiligt sind, identifizieren sie sich ungleich stärker mit ihrer Schule als dort, wo sie nur vorgefertigte und starre Strukturen vorfinden. Das hat ganz praktische Konsequenzen: Der Vandalismus ist deutlich geringer. Identifikation mit der Schule, soziales Miteinander der Schüler, sinnliches Erleben für ein ganzheitliches Lernen: Eigentlich spricht alles für die mitgestaltete Schule, die oft sogar kostengünstiger ist. Aber Rotraut Walden schätzt, dass von zehn neugebauten Schulen gerade mal drei nach den Kriterien einer zukunftsorientierten Schule gebaut werden. Angesichts sinkender Schülerzahlen und leerer Kassen werden Schulen vor allem umgebaut und modernisiert – durchaus eine Chance, die Kinder einzubeziehen. „Man nimmt jetzt die Forschungsergebnisse zur Kenntnis“, meint Rotraut Walden. „Bis sie berücksichtigt werden, dauert es noch“.